Digital Business Podcast - CFO Show by Matthias Walter ESER

#208 - Elias Jochner von Kjavik über den Millionenmarkt Barfußschuhe!

Matthias Walter ESER, MBA Episode 208

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In der 208. Folge des Digital Business Podcasts – der ersten Aufnahme im neuen Studio – begrüßt Matthias Walter Eser den Gründer Elias Jochner: Nach einer Print-on-Demand-Erstgründung direkt nach dem Abi hat er mit Mitte 20 die Barfußschuh-Marke Kjavik aufgebaut. 

Das Gespräch ist kein Produkt-Pitch. Es ist eine schonungslose Tour durch die Finanz-Mechanik einer physischen E-Commerce-Brand – und durch eines der härtesten Verticals überhaupt: Schuhe

Elias spricht offen über die brutale Cash-Conversion-Cycle-Realität, über die wahren Unit Economics im Schuhmarkt, über die Abhängigkeit von Produzenten, die auch für Nike und New Balance fertigen, und über ein Steuerstrafverfahren, das aus fehlerhafter Buchhaltung entstand – obwohl er nach bestem Wissen und Gewissen handelte.

Was du in dieser Folge lernst:

  • Warum der Cash Conversion Cycle über Leben und Tod einer physischen Brand entscheidet: Anzahlung bei Bestellung, Zahlung 30 Tage nach Versand – aber noch bevor die Ware überhaupt da ist – und ein Container, der wegen der geopolitischen Lage drei Monate auf dem Wasser feststeckt. Der harte Kontrast zum nahezu negativen Working Capital des Print-on-Demand-Modells (EU-Lieferanten, 2 Tage Lead Time, Kunde zahlt vor DHL).
  • Die echten Unit Economics im Schuhmarkt: Wareneinsatz von 15–35 % des Netto-VKs, Entwicklungskosten ab einer Million Euro für echte Innovation, hohe Mindestbestellmengen und hohe Retouren – und warum Schuhe eines der schwersten Verticals sind, während eine Supplement-Brand in 5–6 Monaten zum siebenstelligen Monatsumsatz bei über 25 % Rendite skalieren kann.
  • Warum Revenue-based Financing (Shopify Capital & Co.) wie eine Sucht funktioniert: schnell, bequem, der erste Schuss günstig – und dann eine Abhängigkeitsspirale aus schlechteren Konditionen und persönlicher Haftung. Wann die Betriebsmittelfinanzierung über die Bank die ehrlichere Wahl ist und warum Risiko und Rendite zueinander passen müssen.
  • Welche Abhängigkeiten ein Geschäft kippen lassen: Produzenten-Abhängigkeit (die Factory fertigt auch für Nike & New Balance – schwache Verhandlungsposition) und das massiv unterschätzte Steuerberater-Risiko – wie aus fehlerhafter Buchhaltung ein Steuerstrafverfahren wurde. Eigenverantwortung: Am Ende haftest du, nicht dein Steuerberater.
  • Warum „Geld der Blutfluss im Organismus ist, nicht der Selbstzweck" (Phil Knight), warum die Personenmarke im E-Commerce heute Pflicht statt Kür ist – und weshalb „Embrace Discomfort" der beste unternehmerische Ratgeber bleibt: das kürzeste Tischbein zuerst angehen.

Das Fazit für Unternehmer: Die Goldgräberstimmung im E-Commerce ist vorbei – und damit wird die Wahl des Verticals zur strategischen Kernentscheidung. Es gibt unterschiedliche „Härtegrade": Ein Produkt wie Schuhe verzeiht keine Schwäche im Working Capital, in den Unit Economics oder in der Finanzstruktur. 

Wer hier gewinnen will, muss seinen Cash Conversion Cycle beherrschen, seine Finanzpartner kritisch auswählen und die Eigenverantwortung für Zahlen und Steuern wirklich übernehmen – denn am Ende haftest du, nicht dein Steuerberater. 

Elias Jochners wichtigste Botschaft: Arbeite dort, wo dein „Warum" klar ist – und mach genau die Dinge, vor denen du dich instinktiv drückst. Hinter dem kürzesten Tischbein versteckt sich das größte Wachstum.

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